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Otto von Guericke

1. Unsre Klasse fuhr mal

    mit dem Rad nach Mittenwald.

    plötzlich gab’s `ne Panne,

    ein Reifen ist geknallt,

    also bockt die Karre auf

    das Flickzeug schnell zur Hand,

    Reifen runter, da hat man 

    das Loch auch schon erkannt.


    Nach ´ner Stunde war dann

    der Reifen wieder fein

    auf der gewohnten Felge,

    doch wie kommt da Luft hinein?

    Na klar doch, mit `ner Pumpe,

    das liegt ja auf der Hand

    und Otto von Guericke

    hieß der Typ, der das erfand.


Wunderbar, wunderbar, riefen laut die Kinder!

Wunderbar, wunderbar, das war ein Erfinder!

Wunderbar, wunderbar, wie man sich da freute,

Wunderbar, wunderbar, riefen alle Leute!



    

2. Zwei Halbkugeln aus Eisen

    die lagen auf dem Platz,

    drum `rum warn viele Menschen

    und Pferde und Rabatz.

    Nun wollte ich gern wissen,

    was wird denn hier gespielt

    und warum sind die Menschen

    so furchtbar aufgewühlt.


    Wenig später sah ich

    mir die Kugel an.

    Sechzehn Pferde zogen

    wie wild, immer daran..

    Na klar, das ist der Luftdruck,

    das liegt ja auf der Hand

    und Otto von Guericke

    hieß der Typ, der das erfand.


Wunderbar, wunderbar, riefen laut die Kinder!

Wunderbar, wunderbar, das war ein Erfinder!

Wunderbar, wunderbar, wie man sich da freute,

Wunderbar, wunderbar, riefen alle Leute!




3. Voller Staunen öffnet

    der Kaiser ein Papier:

    Leute jetzt mal leise

    Herr Guericke, schreibt mir:

    „Bitte macht mich adlig,

    erhöret doch mein Flehn,

    mit dem kleinen „von“ 

    ist mein Name doppelt schön.“


    „Alle Wissenschaften“,

    so schreibt er unbeschwert,

    „sind ohne Adelstitel

    doch nur die Hälfte wert.“   

    So schreibt ein Erfinder,

    das liegt doch auf der Hand,

    diesen Herrn Guericke

    heb' ich in den Adelsstand!

 

Wunderbar, wunderbar, nun ruft laut ihr Kinder

Wunderbar, wunderbar, denn ich bin ein Erfinder.

Wunderbar, wunderbar, verzeiht mir meine Sünden

Wunderbar, wunderbar, die kommen vom Erfinden.

 

(auf der CD "Was ich nicht kenn' das will ich sehn")



Otto, mir gefällt es hier

      1. Ob man der Chronik glauben kann?

          Sie gibt uns bekannt:

          Als Hochzeitsgabe legte man,

          in Editha’s Hand,

          einen Ort am Elbestrom

          Magdeburg genannt

          und glücklich hat sie oft gesagt,

          wenn sie am Ufer stand:

 

Refr.: „Otto, mir gefällt es hier,

         hier lässt es sich leben.

         Wie viel Jahre bleiben uns,

         sind uns noch gegeben?“

  

2. Das Glück, so hält der Schreiber fest,

    weilt nie an einem Ort,

    der bittre Tod mit seinem Schnitt

    führt Editha fort.

    Voll Schmerzen stand der Königssohn

    oft am Fluss verstört,

    mag sein dann hat er in den Well’n

    ein Säuseln leis gehört:

 

    „Otto mir gefällt...“

   

3. Legende oder Wirklichkeit,

    wer legt seine Hand

    dafür ins Feuer, aber eins

    ist uns heut bekannt:

    Otto hatte Adelheid

    von Burgund gefragt,

    wirst du meine Ehefrau

    und sie hat leis gesagt:

 

    „Otto mir gefällt...“

 



(auf der CD "Was ich nicht kenn' das will ich sehn")



Abendlied

Das Abendrot am Himmel

wölkt sich wie ein Band,

zwingt den Tag zur Neige,

legt sich auf das Land.

Das Schaffen hat geendet

und sucht jetzt seine Ruh‘;

Du in meinen Armen

mach die Augen zu.

Schlafe ein, schlafe ein, schlafe ein.

Der Wind fegt durch die Gosse

als nimmermüder Gast.

Ein zügiger Genosse

ohn‘ Heimat, ohne Rast.

Er ist ein Überbringer

von Wärme oder Kält‘,

geschwängert mit Geschichten,

hör‘, was er erzählt:

Schlafe ein, schlafe ein, schlafe ein.

Es träumt die lange Straße

vom ruhenden Verkehr.

Der Lärm der Stadt wird leiser,

man hört jetzt fast nichts mehr.

Jetzt stehen schon die Sterne

so wie ein großer Chor

und du bist mir ganz nah,

flüsterst mir ins Ohr:

Schlafe ein, schlafe ein, schlafe ein.

 

(auf der CD "Strahlemann & Leuchtefrau")



Damals in Gadebusch

1. Der Sommerwind lockte schon wochenlang: „Komm!“,

    wie hatt’ ich zur Ferienzeit,

    mich abseits, von Schule und Straßenlärm,

    auf mein kleines Dorf gefreut.

    Das Haus meiner Tante, von Efeu bedeckt,

    war eng und zierlich und klein.

    Da hab’ ich die ganzen acht Wochen gesteckt

    und konnte ganz glücklich sein.

    Sechs Schafe, zwei Rinder, Kaninchen und Schwein,

    Gegacker den ganzen Tag!

    Und ich glaubte fest auf der Arche zu sein,

    die gleich hinter Gadebusch lag.


2. Im Park hinterm Gutshaus, da fanden wir Rast.

    Die letzten von unserem Stamm,

    bauten ein Baumhaus und Ast für Ast

    nahm uns die Wildnis an.

    Wir malten uns Zeichen auf die Haut,

    mit Kohle und Lippenstift,

    und waren mit Pflanzen und Tieren vertraut,

    die man nur selten antrifft.

    Das Feuer, die Speere, das Messer, der Stein;

    am Ufer hinter dem Damm

    glaubte ich fest ein Indianer zu sein,

    ein Krieger vom Gadebuschstamm.



3. Aus Seenot gerettet, so strandeten wir

    mit Angel und Floß und Zelt.

    Gleich hinterm Schilf, da öffnete sich

    eine exotische Welt.

    Durch die Gestirne bestimmten wir

    die Uhrzeit, und Ost und West

    waren von jedem Vorurteil frei,

    dort im wilden Geäst.

    Was wir auch spielten, Pirat, Robinson

    es prägte tief sich mir ein.

    Das ich noch heut’ denk Gadebusch

    muss eine Inselwelt sein!

 

(auf der CD "Strahlemann & Leuchtefrau")



Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzchen

1. Hört die Geschichte vom Schwefelholzkind.

    Ein Mädchen so arm, dass ich nicht weiß,

    wo sie herkam - sie kam mit dem Wind

    barfuss im Schnee, da gebricht,

    einem das Herz, eisiger Schmerz,

    steht sie schon Stunden so da.

    Und hat geschwind, ein Holz angezünd’. 

    Doch was sie im Schwefellicht sah.

    "Einen Ofen, einen Ofen, den wünsch’ ich mir,

    dass ich bei der Kält’ nicht erfrier’".

2. Der Wind löscht die Flamme, der Traum sich verliert,

    so zwischen Gasse und Haus

    steht noch das Mädchen, barfuss und friert

    und nimmt ein neues Holz raus.

    Zündet es an, wärmt sich daran,

    wundersam leuchtet das Licht,

    so wie ein Stern - das hat sie gern,

    plötzlich erscheint ein Gesicht.

    "Großmutter, Großmutter, bitte bleib hier,

    weil ich so fürchterlich frier".


 

3. Schnell hat sie das Bündel von Hölzern entfacht,

    ein himmlisches Leuchten so weit.

    Da haben die Flocken ein Bett ihr gemacht,

    Großmutter stand ihr zur Seit'.

    Dringt an ihr Ohr, ein Engelchor,

    Großmutter hält ihr die Hand.

    So hell und leis’ - geht ihre Reis’

    in ein anderes Land.

    "Großmutter, Großmutter, ich bin bei dir,

    wie schön, dass ich jetzt nicht mehr frier’".

 

(auf der CD "Hört die Geschichte...")




Frosch und Königstochter

1. Mit dem Ball spielt die Prinzessin,

    einem Ball aus purem Gold

    und er fällt ihr aus den Händen,

    dass er in den Brunnen rollt. 

    Dicke Tränen weint die Schöne, 

    aus dem Wasser springt ein Tier:

    „Bitte lass die Jammertöne,

    ich der Frosch, ich helfe dir“.


2. „Meine Kugel fiel ins Wasser,

    daran hängt mein ganzes Herz,

    ohne Kugel ist es öde,

    ich erleide tiefen Schmerz.

    Bringst du mir, mein guter Schwimmer

    diese Kugel an den Ort,

    kannst du dir von mir was wünschen, 

    ich erfülle es sofort.“


3. Einen Kopfsprung in das Wasser,

    dass er tiefer tauchen kann,

    machte mutig unser Schwimmer,

    denn er war ein ganzer Mann.

    Und nach wenigen Minuten

    war die Kugel wieder hier:

    „Und nun kommen meine Wünsche,

    hör' gut zu, ich sag sie dir:


4. Bin ich hungrig, will ich essen,

    mit von deinem Tellerlein!

    Bin ich müde, ja dann will ich

    mit zu dir ins Bettchen rein!

    Dass die schönsten Träume kommen,

    liege ich ganz dicht bei dir,

    wäre ich dir dann sehr dankbar,

    kitzelst du den Rücken mir.“

 

5. „Ist geritzt“, sagt die Prinzessin,

    „und nun gib die Kugel her!“

    Aber ein paar Stunden später

    dachte sie daran nicht mehr.

    Als sie abends dann beim Essen

    an der langen Tafel saß,

    kam ganz munter angesprungen

    jener Frosch, so grün und nass.

 

6. „Ich hab Hunger Königstochter,

    schieb' mir deinen Teller zu

    und dann will ich in dein Bettchen,

    du versprachst mir gute Ruh!“

    Und der König sprach zur Tochter:

    „Wenn du das versprochen hast,

    na, dann musst du es auch halten,

    nun ertrage diese Last“.

 

7. Seit zehn Wochen wohnt im Schlosse

    nun der Frosch und frisst sich fett.

    Jeden Abend vor dem Schlafen

    gibt’s ein Quakkonzert am Bett.

    Der Prinzessin fängt er Fliegen,

    dass sie wieder lachen kann,

    manchmal träumt sie dann von Kröten,

    wünscht sich, dass sie schwimmen kann.

 

8. Eines Abends, so im Dunkeln

    hat sie leise ihn gefragt,

    ob er sie ein wenig lieb hat

    und er sagte zu ihr: „quak“.

    Darauf hat sie ihn gestreichelt

    und ganz zärtlich ihn geküsst,

    seither sagen alle Leute,

    dass sie wie verwandelt ist.

 

9. Ja, sie wurde eine Kröte

    und sie quakt auch ziemlich laut,

    über ihre zarten Finger

    wuchs inzwischen eine Haut.

    Und nun wohnt sie dort im Brunnen,

    das ist ihre kleine Welt,

    wo sie wartet, dass bald wieder ‘mal 

    ein Ball ins Wasser fällt.

 

(auf der CD "Hört die Geschichte...")



Sternlein, Sternlein

1. Sternlein, Sternlein, welche Pracht!

    Tausend kleine Lichter, zauberhafte Nacht.

    Dass wir vor dem Schlafengeh’n,

    staunend noch zum Himmel seh’n.

2. Sternlein, Sternlein, ja sie dreh’n.

    Umeinander soll es geh’n.

    Tanzen, funkeln, das ist schön,

    von der Erde kann man’s seh’n.

3. Sternlein, Sternlein, ferne Welt,

    Phantasiegemälde dort am Himmelszelt.

    Denk ich mir Geschichten dazu

    und erzähl sie dir zur Ruh’.

 

(auf der CD "Der kleine Häwelmann")



Schlaflied

1. Tränen laufen über dein Gesicht,

    sei nicht traurig, kleiner Wicht.

    Sieh mich an, bist nicht allein,

    eingehüllt im Mondenschein.

    Ringsherum ist schon die Welt verschwommen,

    weil ganz sacht die Träume zu dir kommen.

    Schlafe ein.

2. Keine Angst, ich höre wie ganz leicht,

    nur der Wind durchs Astwerk streicht.

    Sieh den Mond vor deinem Fenster steh’n,

    schaut dir zu, beim Schlafengeh’n.

    So, als käm’ er von der Himmelsleiter

    grad’ zu dir, als stiller Traumbegleiter.

    Schlafe ein.


3. Schwebst nun einer Feder gleich

    in ein weites Märchenreich.

    Nichts und alles ist hier wahr,

    schließ die Augen und sieh klar.

    Kommt dir vor, so wie ein großes Wunder,

    schläfst und regst dich trotzdem keck und munter.

    Traum kehr ein.

 

(auf der CD "Der kleine Häwelmann")



Bonjour, wir werden uns versteh'n - Guten Tag, avec toi c'est si beau

1. Jean, mein Brieffreund lud mich ein,

    nach Marseille bei ihm zu sein, 

    ich sagte zu, er freute sich

    und dann besucht er mich.

 

    Wir erzähl'n uns mancherlei, 

    von Büchern, Filmen und dabei 

    gebrauchen wir Vokabeln neu, 

    verlieren alle Scheu.

 

    Refr.: Bonjour wir werden uns versteh'n,

            aurevoir uns recht bald wiedersehn. 

            Pardon, ich will dir schreiben, hey! 

            Parlez vous francais.

 

2. Ein Spiel aus Frankreich und es steht

    auf Französisch, wie es geht

    und ich setzte mich gleich 'ran

    übersetzte dann.

 

    Und nun haben wir viel Spaß,

    würfeln um die Wette, dass

    jeder Freude hat und lacht,

    wie man's in Frankreich macht.

 

            Bonjour...

 

3. Ferien im Wohnmobil,

    Frankreich war das Urlaubsziel.

    Und die Eltern staunten dann,

    was ich schon alles kann.

 

    Klingt im Radio ein Chanson

    fragt der Vater: "sag wovon,

    singt die Dame, singt der Mann?"

    Und nur ich weiß dann:

 

            Bonjour...                                      (deutsch: Thomas Riedel)

 

1. Mon ami de Magdeburg 

    m'a écrit: "viens donc chez moi!" 

    Puis il est venu à son tour, 

    pour ma plus grande joie. 

 

    On cause de tout et de rien, 

    Cinéma, B D, tout va bien; 

    Pour paler c'est un peu spécial 

    mais c'est vraiment génial!

 

    Refr.: Guten Tag, avec toi c'est si beau, 

            tschüß mach's gut, on se revoit bientôt. 

            Pardon, j'écris une lettre pour toi: 

            Wir sind füreinander da! 

 

2. Il nous a fait parvenir

   une boîte de jeux en souv'nir.

   J'ai traduit les explications

   en faisant attention.

 

    A la maison, maintenant,

    on s'amuse comme des fous.

    Nous jouons comme de vrais Allemands,

    cela nous plaît beaucoup !

 

            Guten Tag...

 

3. Il est venu en vacances,

    avec ses parents en France.

    Il parlait bien, c'était super

    pour sa mère et son père.

 

    En écoutant des chansons,

    il disait parfois: »c'est bon!«

    Je demandais: »Tu as compris?«

    Et il répondait: »Oui!«

 

            Guten Tag...                                      (française: Yves Le Mao)

 


(auf der CD "Bonjour, wir werden uns versteh'nund auf der CD "Bonjour, comment ca va..."

in unterschiedlichen Versionen eingespielt)


Il était un avocat - War einmal ein kleiner Mann

1. Il é-tait un avocat, 

    tire-lire-lire, 

    il était un avocat, 

    tire-lire-la. 

 

2. Sa p'tit' serviette sous son bras,

    tire-lire-lire,

    Sa p'tit' serviette sous son bras,

    tire-lire-la.

 

3. En tombant s'est cassé l'bras, 

    tire-lire-lire, 

    en tom-bant s'est cas-sé l'bras, 

    tire-lire-la.

 

4. Pourtant il n'en mourut pas

    tire-lire-lire,

    Pourtant il n'en mourut pas

    tire-lire-la.                                                 (française: traditionnel)

1. War einmal ein kleiner Mann, 

    tire-lire-lire, 

    lachte sich ein Fräulein an, 

    tire-lire-la. 

 

2. Mit dem Fräulein eingehakt,

    tire-lire-lire,

    ging der Mann sehr gern zum Markt,

    tire-lire-la.

 

3. Doch das Fräulein lief zu schnell,

    tire-lire-lire,

    fiel der Mann auf's Hinterfell, 

    tire-lire-la.

 

4. Fasst das Fräulein den Entschluss,

    tire-lire-lire,

    nimm zur Heilung einen Kuss,

    tire-lire-la.                                            (deutsch: Thomas Riedel)


(auf der CD "Bonjour, wir werden uns versteh'n")


Wenn du schon schläfst

Oft kann ich, wenn du lange

schon schlummerst, noch nicht ruhn;

ich möchte gern und lange

das Gleiche wieder tun.

Ich möchte tief mich beugen

zu dir und meine Hand

versenken in die Beugen,

die sie an dir erst fand.

 

Kühl kommt es durch die Rille,

die unsre Betten trennt;

dein Atem, der die Stille

im Zimmer fast verbrennt,

geht ruhig hoch und nieder,

indes im schwachen Licht

ich mir aus Mund und Lidern

nachforme dein Gesicht.

 

Gern möcht’ ich einmal liegen

wie du vor mir, ganz still,

so, dass ich mich nicht biegen

und nichts mehr sagen will,

mich auf die Seite wenden

und nichts als ruhen sacht

mit ausgeschöpften Händen

die ganze lange Nacht.                                    (Text: Theodor Kramer)

 

(auf der CD "Verbannt aus Österreich")

Auf Schub

Ich lag, ohne Arbeit, im speckigen Rock

am Rain – der September war warm –

und schnitzte die dorrende Rebe zum Stock;

da griff mich feldauf der Gendarm.

Mußt mit in den Kotter,

er stieß mich in Schotter,

ich prellte im Sturz mir den Arm.

 

Ich lag auf dem Boden verwanzt über Nacht.

Am Morgen, - ich war nicht von dort –

da mußte ich erst, vom Gendarm wohl bewacht,

von dort mit dem Ochsenzug fort.

Dumpf dröhnte der Tender,

ich fuhr durch die Länder

von Ort, wo ich werkte, zu Ort.

 

Ihr Wochen, mein Haar ist verfilzt und ein Balg,

mir faulen am Leib schon die Schuh.

Voll Schmer sind die Leisten, die Ohren voll Talg;

doch nirgendwo stehe ich zu.

Es schieben die Städte

in Lumpen und Kette

mich eine der anderen zu.

 

Herr Richter, ich nehm jede Strafe von dir,

wie lange auch immer sie sei.

Nur steck mich schon in den Arrest, heut und hier,

dass endlich ein Strohsack mein sei!

Dann lassen sich zählen

die Tage, die quälen;

dann sind sie auch fast schon vorbei.               (Text: Theodor Kramer)

 

(auf der CD "Verbannt aus Österreich")



Das Dorf in der Eifel

1. Noch heute spricht man nicht offen davon,

    im kleinen Dorf in der Eifel,

    allein beim Gedanken flüstern die Leut’,

    beten und fürchten den Teufel.

    Neugierig hab’ ich die Eifel besucht,

    was hat vor kaum hundert Jahren

    die Gegend in Angst und Schrecken versetzt?

    Nun, ihr sollt es erfahren!

2. „Da, wo die Dorfstraße abbiegt zur Schlucht,

    da führt ein Weg in die Senke“,

    so sprach flüsternd verwirrt der Friseur,

    „da war einst eine Schenke.

    Allerlei fahrendes Volk kehrte ein

    und hinterm Ofen am Tresen

    hatte ein seltsamer bettelnder Mann

    seit Stunden in Büchern gelesen.

3. Du musst was trinken, oder verzehr’n,

    so sprach am düsteren Orte

    der Wirt zum Fremden und bald darauf

    wurden schroffer die Worte.

    Noch mehr erregt, weil jener Mann

    nicht einmal aufgeschaut hatte

    stieß der Wirt den Bettler vom Stuhl:

    "Verschwinde, du lesende Ratte!"


4. Kaum waren diese Worte verhallt

    da fuhren Blitze ins Zimmer

    und in der Senke leuchtete hell

    die Wirtschaft im schwefligen Schimmer.

    Und wie von Fieber und Krämpfen erfasst

    tanzte der Wirt durch die Schenke,

    ein Rattenkopf wuchs ihm, es zog sich ein Fell

    auf die gekrümmten Gelenke.


5. Fauchend sprang er den Amtmann an

    und verbiss sich in seiner Kehle.

    Kurze Zeit später verlor auch der

    seine menschliche Seele.

    Der Amtmann schnappte nach der Magd,

    die biss den schlafenden Gatten,

    und wie eine Seuche bestand das Dorf

    bald nur noch aus Menschenratten.


6. Die Hausratten bauten um ihr Gehöft

    hohe schützende Mauern,

    und Wasserratten sah man am Fluss

    sich gegenseitig bedauern.

    Voll Raffgier und Hass zerfleischten sich

    die Beutelratten ums Geld,

    und Wanderratten zogen aus,

    zu herrschen in aller Welt.

7. Die Vorderzähne des Friseurs

    verformten sich bei der Geschichte

    zu riesigen Nagern, die ragten ihm

    aus dem feisten Gesichte.

    Da trifft mich sein Blick, er springt mich an

    und Schwefelgestank füllt den Raum!

    Schweißgebadet erwache ich

    aus einem teuflischen Traum.

 

(auf der CD "Strahlemann & Leuchtefrau")